Berufsunfähigkeitsversicherung

Der gesetzliche Anspruch besteht seit 2001 nur noch in Form einer Erwerbsminderungsrente, welche allerding schwer zu erlangen ist, da „erwerbsgemindert“ nur derjenige ist, der in keinem Beruf mehr arbeiten kann. Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) ist daher eine der wichtigsten Versicherungen.
Ärzte und Apotheker sind nicht versicherungspflichtig in der Gesetzlichen Rentenversicherung bzw. können sich von der Versicherungspflicht befreien lassen. Stattdessen werden sie versicherungspflichtige Mitglieder der entsprechenden Versorgungswerke der jeweiligen Kammern. In solchen Versorgungswerken ist auch noch für jüngere Menschen eine Berufsunfähigkeitsrente versichert. Eine exakte Definition der Berufsunfähigkeit ist wieder von den Versorgungswerken und deren Satzungen abhängig. Auch die Formulierungen unterscheiden sich. So heisst es bei der Berliner Ärzteversorgung document, ein Mitglied gelte als berufsunfähig, wenn
„(….) dessen Fähigkeit zur Ausübung einer jeden Erwerbstätigkeit, zu der ärztliche Ausbildung berechtigt und bei der Inhalte der ärztlichen Ausbildung überwiegend verwendet werden können, aus gesundheitlichen Gründen nicht nur vorübergehend umfassend entfallen ist (….)“
und
„(….) das er aus diesem Grund seine gesamte ärztliche Tätigkeit eingestellt hat (….)“
Ärzte müssen also so schwer erkrankt sein, dass sie ihre Praxis schließen müssen. Nur dann gelten Sie im Sinne des Versorgungswerks als berufsunfähig und erhalten eine Berufsunfähigkeitsrente. Eine Private Berufsunfähigkeitsversicherung ist daher sehr zu empfehlen!
Wenn Sie im Anschluss an die Arbeitsunfähigkeit, welche durch ein Krankentagegeld im Rahmen der Privaten Krankenversicherung abgesichert sein sollte, Ihren zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr zu mindestens 50 % ausüben können und auch mindestens für 6 Monate nicht in der Lage sind, Ihre Arbeit auszuüben, gelten Sie gemäß Versicherungsvertragsgesetz als berufsunfähig. Der Versicherer zahlt eine monatliche Rente in vereinbarter Höhe, wenn eine Berufsunfähigkeit von einem Arzt oder Gutachter diagnostiziert worden ist.
  • Das Bundesverfassungsgericht vertritt folgende Auffassung: „Angesichts des gegenwärtigen Niveaus gesetzlich vorgesehener Leistungen im Fall der Berufsunfähigkeit sind die meisten Berufstätigen …. darauf angewiesen …. privat vorzusorgen, um ihren Lebensstandard zu sichern. Die Alternative, Sozialhilfe zu beziehen odern den Stamm des eigenen Vermögens zu verbrauchen, ist diesem Personenkreis nicht zumutbar.“
    (BVerfG, 1 BvR 2027/02 vom 23.10.2006, Abs. 39 globus)
  • Auch die Bundesregierung urteilt aktuell wie folgt: „Es ist allgemein anerkannt, dass eine Versicherung gegen Berufsunfähigkeit in der Regel sinnvoll ist. Ob eine relevante Versicherungslücke besteht, ist vom jeweiligen Einzelfall abhängig. Die Anzahl der Beschwerden bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) im Zusammenhang mit Berufsunfähigkeitsversicherungen ist gering.“
    (BT Drucksache 18/11371 vom 03.03.2017 document).
  • Der Bund der Versicherten vertritt ebenfalls die Auffassung, das eine Berufsunfähigkeitsversicherung unverzichtbar ist. Schon früh -so lange Sie noch gesund kerngesund sind- sollte diese von Ihnen angeschlossen werden. Eventuelle bekannte Vorerkrankungen können zum Ausschluss, zum Risikozuschlag oder sogar zur Ablehnung des Antrags führen.
Bereits vor dem Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung ist darauf zu achten, dass bestimmte Klauseln Bestandteil des Vertrages werden. Dies gilt insbesondere für die abstrakte und die konkrete Verweisung. Ein weiteres wichtiges Kriterium ist, dass Leistungen auch rückwirkend erbracht werden. Diese Klausel ist deshalb wichtig, weil in einigen Fällen ein Prognosezeitraum erst zu einem späteren Zeitpunkt gestellt werden kann. Daher sollte auch immer der Tag der Antragstellung zählen.
Insbesondere bei Medizinern ist auch die Infektionsklausel von großer Bedeutung, welche daher unbedingt Bestandteil des Vertrages sein sollte. Die Infektionsklausel ist deshalb so wichtig, da bei bestimmten Krankheiten (z. B. Hepatitis C oder Aids) oder bestimmten Krankheitserregern (z. B. Salmonellen) das zuständige Gesundheitsamt ein Tätigkeitsverbot aufgrund der Infektionsgefahr aussprechen kann. Ist die Berufsausübung aus gesundheitlichen Gründen noch im erforderlichen Umfange möglich (z. B. eine HIV-Infektion, die noch nicht „ausgebrochen“ ist), kann aber durch die Infektion eine Patientengefährdung die Folge sein.
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